Nachhaltigkeit ist öknomischer Erfolgsfaktor

ESG ist längst kein Zusatzkapitel in Nachhaltigkeitsberichten mehr, sondern entwickelt sich zu einem zentralen Werttreiber für Investments, Bewertungen und Finanzierungen.
ronald@ivalu.eu
A full portrait of Stephan Größ
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© Grüne Immobilien

Immobilien, die ökologische Effizienz, soziale Verantwortung und solide Governance-Strukturen vereinen, positionieren sich zunehmend als bevorzugte Anlageprodukte.

Das aktuelle Trendbarometer zum österreichischen Immobilien-Investmentmarkt von EY zeigt deutlich, dass ESG-Kriterien für Investoren zu einem strategischen Entscheidungselement geworden sind. Ein Großteil der befragten Marktteilnehmer geht davon aus, dass sich Preisunterschiede zwischen ESG-konformen und nicht ESG-konformen Immobilien künftig weiter vergrößern werden. Nachhaltigkeit materialisiert sich damit unmittelbar im Marktwert von Objekten. Investoren erkennen immer stärker, dass Energieeffizienz, CO₂-Reduktion und nachhaltige Betriebskonzepte nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllen, sondern langfristig stabile Cashflows sichern und Risiken minimieren.

Besonders deutlich wird diese Entwicklung im Finanzierungsbereich. ESG-konforme Immobilien profitieren laut der Studie von einem erleichterten Zugang zu Kapital und günstigeren Finanzierungskonditionen. Banken und institutionelle Kapitalgeber berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien zunehmend in ihren Risikomodellen. Wer taxonomiekonform entwickelt oder Bestandsobjekte entsprechend transformiert, verbessert nicht nur sein Nachhaltigkeitsprofil, sondern auch seine Finanzierungsfähigkeit. ESG wird damit zum Türöffner für Liquidität in einem Markt, in dem Kapital selektiver vergeben wird als noch vor wenigen Jahren.

Gleichzeitig zeigt sich, dass die regulatorischen Rahmenwerke zwar als wichtige Orientierung dienen, von Marktteilnehmern jedoch nicht als allein ausreichender Bewertungsmaßstab gesehen werden. Die EU-Taxonomie definiert Mindeststandards, doch Investoren denken längst weiter. Für sie zählen ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategien, belastbare Daten und die Fähigkeit, Immobilienportfolios aktiv in Richtung Klimaneutralität zu entwickeln. Der Trend geht weg vom reinen Compliance-Denken hin zu einem aktiven Wertsteigerungsansatz durch nachhaltige Transformation.

Auffällig ist zudem, dass ESG nicht mehr nur Neubauprojekte betrifft. Gerade im Bestand eröffnet sich ein erhebliches Wertschöpfungspotenzial. „Manage-to-Green“-Strategien gewinnen an Bedeutung, also die gezielte Aufwertung bestehender Immobilien durch energetische Sanierung, digitale Verbrauchssteuerung und nachhaltige Bewirtschaftung. Die Mehrheit der Befragten hält diese Strategien trotz politischer Unsicherheiten weiterhin für wirtschaftlich sinnvoll. Nachhaltigkeit wird damit zur operativen Managementaufgabe und nicht zur reinen Entwicklungsfrage.

Ein wesentlicher Hebel liegt dabei in der Datentransparenz. Die systematische Erhebung anonymisierter Verbrauchsdaten verbessert das Verständnis von Energie- und Ressourcennutzung erheblich und schafft die Grundlage für Effizienzsteigerungen. Daten werden zur neuen Währung nachhaltiger Immobilienbewirtschaftung. Wer Verbräuche messen kann, kann Emissionen senken, Betriebskosten optimieren und Nachhaltigkeitsziele glaubwürdig dokumentieren. ESG entwickelt sich damit auch zu einem Digitalisierungstreiber innerhalb der Branche.

Die Ergebnisse des Trendbarometers unterstreichen diese Entwicklung klar und zeigen, dass der österreichische Immobilienmarkt ESG nicht mehr als Zusatzoption, sondern als integralen Bestandteil zukunftsfähiger Investmentstrategien versteht.

Studie publiziert von EY Österreich von Stephan Größ, Partner und Sector Leader Real Estate und Elisabeth Sardy-Rauter, Director Strategy & Transactions. Die Studie ist zum Download unter https://www.ey.com/de_at/functional/forms/download/2026/trendbarometer-immobilien-investmentmarkt-oesterreich-2026 erhältlich