Nachhaltiges Bauen ist teuer, heißt es gern. Klimagerechte Gebäude treiben die Herstellungskosten in die Höhe, wird gern gesagt. Und wer besonders ambitionierte Nachhaltigkeitsstandards erfüllen will, muss zwangsläufig tiefer in die Tasche greifen. Diese Annahmen halten sich in der Bau- und Immobilienbranche hartnäckig. So einfach ist die Rechnung nicht und
Für die im Mai 2025 von der GBNB veröffentlichte Studie „Lebenszyklusbasierte Betrachtung von Gebäuden“ wurden 28 DGNB-zertifizierte Wohngebäude hinsichtlich ihrer Klimawirkungen und Kosten untersucht. Das zentrale Ergebnis: Zwischen der Höhe der Herstellungskosten und den Ökobilanzwerten der Gebäude lässt sich keine eindeutige Korrelation feststellen. Anders gesagt: Ein Gebäude mit niedrigen CO₂-Emissionen muss nicht automatisch teurer sein.
Besonders interessant ist, dass die Studie auch keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen den Baukosten und der erreichten DGNB-Zertifizierungsstufe feststellen konnte. Das widerspricht dem weitverbreiteten Denkmuster in der Branche (und auch generell der gesamten Wirtschaft): Je nachhaltiger ein Gebäude geplant wird, desto höher müssten zwangsläufig auch die Kosten sein.
Die Projektdaten zeigen jedoch, dass Klimaschutz nicht automatisch durch kostspielige Zusatzmaßnahmen entsteht. Vielmehr geht es darum, Nachhaltigkeit frühzeitig und intelligent in Planung, Konstruktion und Betrieb zu integrieren. Es ist also durchaus möglich, Gebäude mit vergleichsweise niedrigen Kosten zu errichten und zu betreiben, die gleichzeitig geringe CO₂-Emissionen verursachen und ausgezeichnete Nachhaltigkeitsbewertungen erreichen.
Entscheidend ist dabei vor allem auch, wie Kosten überhaupt betrachtet werden. In vielen Projekten liegt der Fokus noch immer stark auf den Errichtungskosten. Die Studie zeigt jedoch, dass eine reine Betrachtung der Baukosten zu kurz greift. Wer Immobilien langfristig wirtschaftlich beurteilen möchte, muss den gesamten Lebenszyklus berücksichtigen.
Dazu gehören neben Planung und Errichtung auch Energieverbrauch, Wartung, Instandhaltung, Sanierung und weitere Nutzungskosten. Gerade bei neueren Projekten zeigt sich laut der DGNB-Studie, dass diese Nutzungskosten einen zunehmend relevanten Anteil an den Gesamtkosten ausmachen.
Eine Maßnahme, die in der Errichtung zunächst Mehrkosten verursacht, kann über Jahrzehnte hinweg beispielsweise durch geringere Energie- oder Betriebskosten wirtschaftlich sinnvoll sein. Gleichzeitig können intelligente Planung und Materialwahl dazu führen, dass Klimaschutzmaßnahmen von Anfang an nahezu kostenneutral umgesetzt werden.
Die Ergebnisse zeigen deshalb vor allem eines: Klimaschutz im Gebäude ist nicht primär eine Kostenfrage, sondern eine Planungsfrage. Frühzeitige Lebenszyklusanalysen, optimierte Gebäudekonzepte, materialeffiziente Konstruktionen, langlebige Bauteile und ein niedriger Energiebedarf können sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile schaffen.
Genau deshalb sollte Nachhaltigkeit nicht als zusätzliches Paket verstanden werden, das am Ende eines Projekts „dazugekauft“ wird. Sie muss bereits am Anfang Teil der Projektentwicklung sein. Je früher ökologische und wirtschaftliche Kriterien gemeinsam betrachtet werden, desto größer ist der Handlungsspielraum und desto geringer das Risiko, dass Klimaschutz später tatsächlich teuer wird. Auch wir bringen das Argument, das Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch sind, gern in Diskussionen ein. Ganz im Gegenteil: Für uns ist klar: Nachhaltige Gebäude sind wirtschaftliche Gebäude.
Projektentwickler:innen, Eigentümer:innen und Investoren:innen müssen Nachhaltigkeit endlich weniger als Kostenfaktor betrachten, sondern stärker als Frage von Planungsqualität, Effizienz und langfristiger Wertschöpfung. Denn eigentlich gibt es nur eine Frage, die zentral ist: Was kostet es uns langfristig, wenn wir Nachhaltigkeit heute nicht mitdenken?
Quelle: DGNB & BPIE, Kurzstudie „Lebenszyklusbasierte Betrachtung von Gebäuden“: https://www.dgnb.de/de/dgnb-richtig-nutzen/newsroom/hintergrundinformationen-und-studien