Immobilie des Monats: Free City – Wie ein Bürogebäude zur Energiezentrale wird

Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche wird oft über Energiekennzahlen, Zertifikate oder technische Standards definiert. Das Projekt „Free City“ in Freistadt zeigt jedoch, dass nachhaltige Immobilien längst mehr sein können als effiziente Gebäudehüllen.
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Immobilie des Monats: Free City – Wie ein Bürogebäude zur Energiezentrale wird
© Grüne Immobilien

Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche wird oft über Energiekennzahlen, Zertifikate oder technische Standards definiert. Das Projekt „Free City“ in Freistadt zeigt jedoch, dass nachhaltige Immobilien längst mehr sein können als effiziente Gebäudehüllen. Hier entstand ein Büro- und Verwaltungsgebäude, das Energie produziert, speichert, intelligent steuert – und damit ein Stück Unabhängigkeit neu denkt.

Die von der ÖGNI zertifizierte Immobilie gilt als eines der bemerkenswertesten Green-Building-Projekte Österreichs. Nicht nur wegen ihrer technischen Ausstattung, sondern weil sie einen Perspektivenwechsel sichtbar macht: Gebäude werden vom Energieverbraucher zum aktiven Bestandteil der Energiewende.

Im oberösterreichischen Freistadt entstand auf rund 6.000 Quadratmetern ein Holz-Hybrid-Bürogebäude, das konsequent auf erneuerbare Energien ausgelegt wurde. Bereits der Name „Free City“ ist programmatisch gewählt: frei von fossilen Energieträgern, frei von Abhängigkeiten und regional verankert.

Besonders bemerkenswert ist das integrierte 360-Grad-Energiesystem. Photovoltaikmodule wurden auf allen fünf Gebäudeseiten installiert und erreichen gemeinsam eine Leistung von 303 kWp. Ergänzt wird das System durch einen Stromspeicher mit knapp 1.000 kWh Kapazität, Wärmepumpen, ein intelligentes Energiemanagement sowie einen großzügigen Ladepark für Elektromobilität mit 37 Ladepunkten. Ziel ist es, möglichst viel lokal erzeugten Strom direkt vor Ort zu nutzen, Lastspitzen zu reduzieren und das öffentliche Netz zu entlasten.

Damit steht Free City exemplarisch für jene Entwicklung, die künftig viele nachhaltige Immobilien prägen wird: die Verschmelzung von Gebäude, Energieinfrastruktur und digitalem Managementsystem. Immobilien werden zu aktiven Knotenpunkten in einem intelligenten Energiesystem.

Auch architektonisch folgt das Projekt einem klaren Nachhaltigkeitsansatz. Die Holz-Hybrid-Bauweise reduziert den CO₂-Fußabdruck gegenüber konventionellen Bauformen und schafft gleichzeitig ein hochwertiges Arbeitsumfeld. Der Fokus liegt nicht ausschließlich auf Energieeffizienz, sondern auf einer ganzheitlichen Betrachtung von Ökologie, Wirtschaftlichkeit und Nutzerqualität – ein Ansatz, der auch dem DGNB- beziehungsweise ÖGNI-Verständnis nachhaltiger Gebäude entspricht.

Gerade darin liegt die Relevanz des Projekts für die Immobilienwirtschaft. Nachhaltigkeit wird zunehmend zur strategischen Voraussetzung für Werthaltigkeit. Investoren, Nutzer und Finanzierer achten verstärkt auf Energieautarkie, ESG-Kriterien und langfristige Betriebskosten. Gebäude wie Free City zeigen, dass diese Anforderungen nicht als Einschränkung verstanden werden müssen, sondern Innovationspotenzial freisetzen können.

Zugleich fügt sich das Projekt in eine größere Entwicklung ein: Städte und Regionen arbeiten zunehmend an Smart-City-Strategien, die Energie, Mobilität und Gebäude intelligent miteinander vernetzen. Konzepte wie lokale Energieproduktion, Elektromobilität oder sektorübergreifendes Energiemanagement gelten dabei als zentrale Bausteine einer klimafitten Stadtentwicklung.

Free City ist deshalb weit mehr als ein einzelnes Bürogebäude. Es ist ein Prototyp dafür, wie Immobilien künftig funktionieren könnten: resilient, digital gesteuert, energieautark und integriert in ein nachhaltiges Gesamtsystem.

Für die Branche ist das ein deutliches Signal. Die Immobilie der Zukunft wird nicht nur gebaut, um Raum zu schaffen. Sie wird Teil der Energie- und Klimainfrastruktur selbst.

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